Ranier Maria Rilke


Abschied

Wie hab ich das gefühlt, was Abschied heißt.
Wie weiß ichs noch; ein dunkles unverwundnes
grausames Etwas, das ein Schönverbundnes
noch einmal zeigt und hinhält und zerreißt.

Wie war ich ohne Wehr, dem zuzuschauen,
das, da es mich, mich rufend, gehen ließ,
zurückblieb, so als wärens alle Frauen
und dennoch klein und weiß und nichts als dies:

Ein Winken, schon nicht mehr auf mich bezogen,
ein leise Weiterwinkendes —, schon kaum
erklärbar mehr: vielleicht ein Pflaumenbaum,
von dem ein Kuckkuck hastig abgeflogen.

Departure

How deeply I sense what departure means,
I know what it is: an expected
yet sadly-felt thing which displays what is good
then withdraws it and tears it to shreds.

I have no defense against what it shows me
as it beckons me just to dismiss me
a memory akin to feeling that
all women could never be as lovely as she.

A signal no longer meant for me
and another sign scarcely discernible —
a sense rather than a thing clearly seen
like a bird flitting through the trees.